| Verleihung des Deutsch-Polnischen Jugendpreises in Wrocław am 28.01.2010 | |
| Die „Stadt der Begegnungnen“ bildete einen perfekten Rahmen für die Verleihung des 3. vom DPJW gestifteten Deutsch-Polnischen Jugendpreises für besonders gelungene Projekte junger Leute mit historischem Bezug. Seit Jahren schon folgt das heutige polnische Wrocław (früher: Breslau) dem diesjährigen Wettbewerbsmotto „Erinnerung bewahren - Zachować Pamięć“. Beispiele: Vor der St. Elisabethkirche steht ein Denkmal des in Breslau geborenen evangelischen Theologen Bonhoeffer und die Universität ziert eine Ausstellung über deutsch(-jüdische) Nobelpreisträger. Zudem gibt es seit 2008 in Wrocław ein Denkmal nicht mehr existierender Friedhöfe von Juden, Orthodoxen und Protestanten. All dies lernten die Gäste der Gala nach der Preisverleihung bei einer kenntnisreichen zweisprachigen Stadtführung durch die Germanistin Renata Bardzik-Miłosz. Für einige Teilnehmer begann die erste Begegnung mit Breslau jedoch mit Problemen. Aufgrund des Schneetreibens traf der Zug aus Deutschland mit zweistündiger Verspätung und damit zu spät zur Probe der Preisübergabe ein. Ein Umstand, dem die Mitarbeiter des Deutsch-Polnischen Jugendwerks mit sympatischer Ruhe begegneten. Im Verlauf des Abends zeigte sich dann jedoch, dass eine gelunge Uraufführung für eine ausgefallene Probe durchaus entschädigt. Neben dem gemeinsamen Projekt „Common Past, Common Future“ der DPJA, der Europäischen Begegnungsstätte - Stiftung Nowy Staw Lublin sowie der Nasha Sprava-Organisation aus Lutsk (UA) aus dem Frühjahr 2009 wurden noch vier weitere Projekte ausgezeichnet. Wie beim Jugendwerk üblich, entschied die Jury aus DPJW-Mitarbeitern, Politikern und Journalisten dabei zwischen schulischem und außerschulischem Austausch. Höhepunkte hatte die Gala mit 80 geladenen Gästen mehrere auf ganz unterschiedliche Art. Für den stimmungsvollen Hintergrund sorgten Schülerinnen der Musikschule R. Bukowski aus Wrocław mit Stücken von Mozart. Krzysztof Stanowski, polnischer Vizebildungsminister, lieferte dazu einen schönen Beweis, dass deutsch-polnische Verständigung wunderbar in einem internationalen Kontext stattfinden kann. Seine Laudatio auf „unser“ Projekt „Common Past, Common Future“ begann er auf Ukrainisch. Die „Entschuldigung“ dafür kam direkt im Anschluss - er stamme nun einmal aus dem multikulturellen Lublin. Besser hätte der polnische Staatssekretär und Ehrengast des Abends seine Wertschätzung für den Austausch und seine Heimat nicht ausdrücken können. Über allem standen jedoch zweifellos die selbstgeschriebenen Gedichte von vier Teilnehmern des mit einem Hauptpreis ausgezeichneten Projekts „Tätersprache - Opfersprache" („Język Ofiar - Język Sprawców“). Die Gedichte von Josephine, Marcus, Monika und Michał entstanden nach einem Rundgang und Zeitzeugengespräch im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Die Teilnehmer hatten auch Zugang zu Archivmaterial des Lagers. Aus seinem fiktiven Brief an einen KZ-Häftling las der Teilnehmer Michał Eggert: „(...) Ich kann nichts schenken - nur ein paar Worte - die eilig auf Knien geschrieben wurden. Sie werden sowieso bis zum Tod tragen - Ihr Auschwitz-Kreuz (...)“. Bemerkenswerte Zeilen. Eine Stecknadel hätte man während seiner Rezitation im Saal der Stara Giełda (Alte Börse) in Wrocław fallen hören können. Durch den Abend führte souverän die TV-Moderatorin Aleksandra Rosiak. Ganz nebenbei bewies sie, dass die polnischen Nationalfarben Rot und Weiß wohl zu den wenigen Flaggen auf der Welt gehören, die eine Dame kleidsam tragen kann. Vor der Eröffnung des Buffets wurde schließlich das gemeinsame Projekt von DPJA, Nowy Staw und Nasha Sprava ausgezeichnet. Andriy Paliychuk, Vertreter des ukrainischen Partners, berichtete, wie sich die Teilnehmer des Austausches Detektiven gleich auf Spuren anderer Kulturen durch Lublin bewegt haben. Die richtigen Worte zur bewegten deutsch-polnischen Geschichte fand Josef Hecken, Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, aus Anlass des 65. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zwei Tage vor der Preisverleihung. Hecken unterstrich die fortdauernde geschichtliche Schuld und Verantwortung Deutschlands sowie die Pflicht zur Erinnerung an den Terror der Naziherrschaft. Er verwies dabei auch auf die historische Singularität von Auschwitz. Auch wenn manche es nicht mehr hören mögen, sind doch bei der Verleihung eines deutsch-polnischen Geschichtspreises solche Worte der historischen Wahrheit durchaus angebracht. Die alten Steine in der „Stadt der Begegnungen“ hören diese sicher gern, wenn sie doch auch selbst nicht sprechen können. Schade, Mauern und Gebäude hätten über das deutsch-polnische Miteinander in Wrocławs Vergangenheit sicherlich viel zu sagen. Und das in verschiedenen Sprachen aller alten Kulturen der Stadt. Denn Breslau hat auch eine jüdische, österreichische und böhmische Vergangenheit wie Stadtführerin Renata Bardzik-Miłosz zum Abschluss des Rundgangs für die Gala-Teilnehmer anmerkte. Um dieses Erbe gebührend zu würdigen, sollte man die „Stadt der Begegnungen“ noch einmal aufsuchen. Malte Koppe (Der Dank der DPJA geht an die Jury des Deutsch-Polnischen Jugendpreises und die Projektteilnehmer von „Common Past, Common Future“. Dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk sei für die Auslobung des Preises und die stimmungsvolle Gala herzlich gedankt. Fotos © Rafał Makieła) ![]() (C) Rafał Makieła ![]() (C) Rafał Makieła |
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