Trinationale Pfingsbegegnung in Lublin und Krakau (2.-11. Juni 2006)
Erfahrungsbericht der Junifahrt 2006 Nach Lublin-Krakau
(von André Brüggemann)

Und wieder einmal ist eine Erkundungsfahrt zu unserem östlichen Nachbarland zu einem Erlebnis der Extraklasse geworden. Lublin und Krakau heißen die beiden Orte, an denen die trinationale Begegnung in diesem Jahr stattfand und die es zu entdecken galt. Unter dem Motto „Auf den Spuren der Jagiellonen – Kultur und Landschaft Südostpolens“ fanden sich fast vierzig Teilnehmer aus Deutschland, Polen und Belarus ein, um einerseits polnische Geschichte vor Ort zu erleben und andererseits internationale Kontakte zu knüpfen.
Zwischenstop in Warschau
Das gegenseitige Kennenlernen wurde dank integrativer Gruppenspiele, vom polnischen Organisationsteam vorbereitet, stark beschleunigt und abends in feuchtfröhlicher Manier in den urigen Zimmern der Nasutówer Herberge gefestigt. Nach anfänglichen Workshops am Montag zur Frage, wer genau die Jagiellonen waren und worin ihr Wirken bestand, durften die Gruppen am Nachmittag auf eigene Faust die Spuren der polnischen Herrscherdynastie im Lubliner Schloss und diversen Kirchen sowie weiteren historischen Bauwerken ergründen. Ein gemütlicher Umtrunk am Abend in typisch Lubliner Tavernen schloss den ereignisreichen Besuch eines Stücks polnischer Geschichte ab. Der folgende Tag befasste sich mit Geschichtsunterricht, wie ihn sich jeder Schüler nur wünschen kann. Die enthusiastischen Teilnehmer waren aufgerufen worden, in Gruppen jeweils einen kurzen Geschichtstext zu einem wichtigen Teil der Landesgeschichte in Form eines theatralisch dargebotenen Kurzszenarios vorzustellen, was selbstverständlich das Zwerchfell auf eine harte Probe stellte. Schlugen die Kreuzritter doch hier mit Kissen statt Schwertern auf ihre wehrlosen Opfer ein und verkleidete sich ein männlicher Belarusse als edle Prinzessin, so waren die Lacher garantiert.
Kennenlernspiele
Lagerfeuer
Die ganze Gruppe










Der Abend ließ in geselliger Runde den Nasutów-Aufenthalt bei Gitarrenspiel und Lagerfeuer – inklusive Grillfleisch - unvergesslich ausklingen. Am Mittwoch hieß es schon „Abschied nehmen“ von Nasutów und seiner gastfreundlichen Herberge sowie seinen zweieinhalb Läden. Der Aufbruch nach Krakau stand auf dem Programm und nur schwerlich konnte man bei den Teilnehmern unter einer Maske aus Schlaftrunkenheit die Vorfreude auf diese stolze Kulturmetropole Polens erkennen, doch nach dem ausgiebigen Nickerchen während der mehrstündigen Busfahrt erreichte man schließlich erleichtert Piekary, den nahe Krakau gelegenen Ort und Sitz der Herberge.
Herberge in Piekary
Überrascht wurden die Ausmaße des riesigen Herbergsgeländes mit den zahlreichen Ferienhäuschen, dem Schwimmbad, der eigenen Kirche und einigen Sportanlagen wie dem Basketballplatz wahrgenommen, so dass man den faszinierenden Ausblick auf die umliegende, polnische Hügellandschaft beinahe übersah. Wie im Flug verbrachte man die übrigen Stunden des Tages mit der Inspektion der Zimmer, kleineren Einkäufen im bescheidenen Lädchen und mit von Neugier angetriebenen Kurzwanderungen durch den Ort und die blühende Natur, die hier eine harmonische Symbiose kreiert zu haben schienen. Freilich wurde die hereinbrechende Dämmerung mit der Einweihung des Partyraumes im ersten der zwei von uns belegten Ferienhäuschen begrüßt und mental bereitete man sich schon auf den Besuch Krakaus am nächsten Tag vor. Donnerstag. Krakau! Endlich erreichten wir unser heimliches Primärziel unserer Fahrt! Der Wawel sollte erstes Opfer unserer vielköpfigen Reisegruppe werden, doch wie sich herausstellte, vermochten die Dimensionen dieser Tourismushochburg noch ein Vielfaches an Interessierten gleichzeitig aufzunehmen, was auch der Fall zu sein schien.
Tuchhallen in Krakau
In der Wawel-Burg
Gut drei Stunden zogen rapide an den großäugigen Fahrtteilnehmern vorbei, die sich an Waffen, Schmuck, Sarkophagen, Bauwerken und insbesondere der Kirche und dem Glockenturm kaum satt zu sehen vermochten. Fast vollzählig und dadurch mit nur geringfügiger Verspätung kehrten wir nachfolgend zum Mittagsmahl in gepflegtem Ambiente in jenem traditionsreichen Krakauer Lokal ein, in dem schon so mancher Künstler und Mitglied der polnischen Crème de la Crème einst gastierte. Doch schon kurz nach dem Essen drängten die Neugierigen dazu, nun den Programmpunkt „Freetime in Krakau“ einzuläuten, woraufhin die nächsten drei bis vier Stunden die Stadt auf eigene Faust besichtigt werden durfte und ein jeder seine eigenen Erfahrungen zu sammeln imstande war, die wiederzugeben den Rahmen eines jeden Berichtes sprengen würde.
Ritter André
So zog es die einen in die Krakauer Shoppingviertel, die nächsten jagten nach Andenken und Mitbringsel, wieder andere bestaunten die Apostelkirche und weitere Sehenswürdigkeiten und einige genossen den Anblick der Krakauer Altstadt bei Kaffee oder Gerstenbräu. Zufrieden und hier und da mit ein paar Kleinigkeiten beladen, traf man sich zu späterer Stunde am vereinbarten Treffpunkt wieder und fuhr heim nach Piekary. Dort legte man sich mitnichten sofort zu Bett, wie es anderswo nach anstrengenden Touren Usus ist, sondern ging schwimmen oder traf sich mit einigen anderen Mitfahrern, um Erfahrungen auszutauschen oder stolz den Neuerwerb zu präsentieren.
Tyniec-Burg
Der Freitag sollte dann auch schon der letzte Tag unserer vergnüglichen Begegnung sein und so begann er nach dem Frühstück mit einer Evaluation, die neben Bewertungen der einzelnen Aspekte wie Unterkunft, Essen und den Organisatoren auch die Möglichkeit bot, jedem Einzelnen ein mehr oder weniger anonymes Feedback zu geben oder E-Mailadressen auszutauschen. Wichtige Einkäufe für die Rückfahrt wurden am Nachmittag in Krakau erledigt und es blieben noch einige Stunden Zeit, der Stadt die letzten, am Vortag unentdeckt verbliebenen Geheimnisse zu entlocken, doch zeitig ging es zurück nach Piekary, um das Fußballmatch „Polen – Equador“ nicht zu verpassen.Nach dem Resultat 2:0 für Equador mochte unter den polnischen Teilnehmern anfangs keine rechte Stimmung für die Abschlussfeier der Begegnung aufkommen, aber dank tatkräftiger Unterstützung der deutschen und belarussischen Teilnehmer kam es dennoch zu einer letzten schlaflosen Nacht im Zeichen der internationalen Kommunikation und der Völkerverständigung.
Abschiedsparty
Dementsprechend ausgelaugt verbrachten die Schlafunwilligen Tags darauf in beinah bedächtiger Ruhe die Busfahrt von Krakau nach Lublin, wo sich die Wege der drei einander so lieb gewonnenen Gruppen wieder trennen mussten. Unter Tränen, Versprechungen und herzlichen Umarmungen fuhren die kurzzeitig zu einer Einheit zusammengeschweißten Mitglieder der diesjährigen Junifahrt zurück gen Heimat; wohlwissend, dass es nur ein Heilmittel gegen den schmerzlichen Abschied gibt. Und das rückt mit großen Schritten in Form der nächsten Fahrt nach Polen immer näher, wenn es wie im letzten Jahr wieder heißt: „Szczesliwego Nowegu Roku!



Mehr Bilder von der Begegnung:
Männerliebe unter der Sigismund Glocke
Wawel-Burg in Krakau
Besichtigung im KZ Majdanek2




Besichtigung im KZ Majdanek
Marktplatz in Lublin
Weißrussische Party



Theater
Theater2
In Warschau mit Renate Künast
Salon gier
Workshop
Fussballspiel
Krakauer Theater
Die Burg in Lublin
Kneipenbesuch
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