Begegnung "Deutscher/Pole in der Familie" (17. bis zum 28. Juli in Lublin; 07. bis 18. August in Münster)
Deutsche verlieben sich in Polen – und Polinnen!


Die polnische Sprache hat den Ruf, eine der schwersten Sprachen Europas zu sein und auch Deutsch gilt in anderen Ländern zumindest als schwierig und eher unattraktiv. Genau an diesem Problem setzte die Deutsch-Polnische Jugendakademie Münster (DPJA) mit dem Sprachaustauschprogramm „Pole / Deutscher in der Familie“ an. Zusammen mit der „Gesellschaft für Europäische Zusammenarbeit“ aus Münsters polnischer Partnerstadt Lublin stand für die insgesamt sechs deutschen und polnischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem Sommer die Sprache des „unbekannten Nachbarn“ im Vordergrund.

Bereits vom 17. bis zum 28. Juli wohnten drei Deutsche bei Gastfamilien in Lublin, lernten die polnische Kultur kennen und erkannten schnell, wie überholt so manch deutsches Vorurteil über Polen ist. Neben gemeinsamen Aktivitäten wie Sightseeing in der traditionsreichen Stadt Lublin bemühten sich die deutschen Teilnehmer vor allem, etwas Ordnung in den „Konsonantendschungel“ der polnischen Sprache zu bringen: „Masz prześliczne oczy.“ – „Du hast schöne Augen.“ gehörte da fast noch zu den einfacheren – und sicher nützlichsten Redewendungen.

Nach fast zwei Wochen stellten sich durchaus erste Erfolge ein. Teilnehmer André Brüggemann über seinen Aufenthalt: „Ich lerne am besten durch Zuhören. Am Ende konnte ich mich schon ein wenig mit meiner Gastfamilie unterhalten. Die Polen sind dabei sehr geduldige Lehrer. Ich werde mit Sprachstudien auf jeden Fall in Deutschland fortsetzen.“

In Münster hatten die drei Deutschen Teilnehmer dann vom 07. bis 18. August Gelegenheit, sich für die sprichwörtliche Gastfreundschaft und fürstliche Bewirtung der Polinnen – männliche polnische Teilnehmer gab es nicht – zu revanchieren. Die polnischen Studentinnen, die alle Deutsch lernen, bekamen die Gelegenheit ihr Wissen im Gespräch mit Muttersprachlern zu testen und zu erweitern. „Dieses war eines der Hauptziele der Begegnung, da Sprachaufenthalte im Ausland für viele Polinnen und Polen nicht immer zu bezahlen sind“, erklärt der Vorsitzende der DPJA, Malte Koppe, die Intention der Jugendakademie und seines polnischen Partners in Lublin.

Dank finanzieller Unterstützung aus Mitteln der „Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit“ sowie von dem Amt des Rates und des Oberbürgermeisters der Stadt Münster sowie dem Stadtamt Lublin war die DPJA in der Lage, nicht nur ihre Reisekosten zu übernehmen, sondern den Polinnen auch die Möglichkeit zu geben, Münster und das Münsterland zu erkunden. Die Teilnehmer kamen so in den Genuss des Allwetterzoos, man konnte einen Ausflug nach Enschede unternehmen und außerdem einige schöne Münsteraner Restaurants besuchen. Während einer Altstadtführung lernten schließlich nicht nur die polnischen Gäste sondern auch die Deutschen alles über Bischofsmacht, Wiedertäufer und Kiepenkerl.

Natürlich kam während der gemeinsamen Zeit abends beim Bier auch schon einmal das Thema Politik auf. Die jüngsten Misstöne in den offiziellen deutsch-polnischen Beziehungen belasteten dabei das Verhältnis der Teilnehmer kaum. Man war sich weitgehend einig, dass die Jugend beider Länder – trotz schwieriger Vergangenheit – schon sehr gut miteinander auskommt. „Daran sollten sich deutsche und polnische Politiker sowie Journalisten ein Beispiel nehmen“, resümierte schließlich eine polnische Teilnehmerin.
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