Trinationale Silvesterbegegnung 2007/2008 in Nasutów
von Oliver Lammers


Die deutsche Gruppe, bestehend aus 10 Personen, traf sich auf verschiedenen deutschen Bahnhöfen, um mit dem Nachtzug nach Warschau und am nächsten Tag weiter nach Lublin zu fahren. Dort angekommen warteten wir ca. 2 Stunden auf den Bus, mit dem die Belarussen aus Brest kamen. Damit ging es weiter in das ca. 15 km im Norden von Lublin gelegene Nasutów. Auf der Fahrt konnte man dort schon trotz Übermüdung erste Bekanntschaften machen. Nach dem Eintreffen in Nasutów wurden die Zimmer national gemischt verteilt um einer Abkapselung der Nationalitäten entgegenzuwirken und um das Wir-Gefühl zu stärken. Dieses Gefühl trat sehr schnell ein. Schon beim ersten gemeinsamen Abendessen und integrativen Trinkgelage im Anschluss war von Gruppengehabe keine Rede mehr.

Das Programm der ersten Tage bestand hauptsächlich aus Namensspielen und wurde durch teils sehr kreative Vorträge über die Länder und ihren Besonderheiten abgerundet.
Dazu hatte die polnische Gruppe eine sehr anschauliche Präsentation über Deutschland ausgearbeitet. Die Powerpoint-Präsentation, verstärkt mit Postkarten, Ansichten in Deutschland und Nenas „99 Luftballons“, nach der ich mir dachte „hm, gar nicht mal so übel in Deutschland!“ und der kleine Jodel-Wettbewerb lösten durchweg Schmunzeln in den Reihen der Teilnehmer aus.

Als weitere Programmpunkte bereiteten die Nationen ein kleines Weihnachtsstück vor, welche aufgrund der guten Ideen und der Formfreiheit auch durchweg lustig waren. Auch gemeinsam Filme zu schauen und Lieder zu singen gehörte dazu.

An den folgenden Tagen wurde hauptsächlich vom Schaffen des Herrn Lukaschenko geredet. Trotz klappriger Statur seines Zeichens ein semiprofessioneller Eishockeyspieler, letzter Diktator in Europa und absoluter Medienprofi zugleich; sehr beeindruckend. Dazu sahen wir Filme, die nicht nur seinen Fähigkeiten auf dem Eis, sondern auch die großartigen Taten seines persönlichen Fanclubs, der weißrussische KGB, auf tragikomische Weise hinterleuchtete. Bald war allen klar, dass man die politische Laufbahn diesen Mannes beenden sollte, um sich in Zukunft voll und ganz dem schnellen Spiel auf dem Eis widmen zu können.

Zwischendurch stand das Silvesterfest an, das gleich zwei Mal gefeiert wurde. Zuerst nach EET Zeit und danach nach CET. Warum auch nicht?
Also war das Fest natürlich auch doppelt anstrengend, schließlich musste man mit jeder Person gleich zweimal anstoßen.
Nun denn, dafür fiel die Regenerationszeit auch großzügig aus, indem man am folgenden Tage alle Termine nach hinten verlegte und es insgesamt ruhiger angehen lies.

Der 3. Januar war dann der Tag, der fest zur Besichtigung von Lublin und dem KZ Majdanek eingeplant war.
Bei eisigem Wind verbrachten einige den Morgen auf dem ehemaligen KZ Gelände, andere zogen es vor, die etwas windstilleren Gassen von Lublin zu erforschen oder sich daran zu versuchen eine 40cm(!) Pizza zu verschlingen, um später beim im voraus geplanten Mittagessen am ersten Salatblatt kläglich zu scheitern.
Den Rest des Nachmittages verbrachten die meisten damit, ein paar landestypische Dinge zu kaufen (polnischer Wodka, polnisches Bier, Zigaretten und auch Souvenirs).
Die Wartezeit auf den Bus nutzten wir dann, um uns bei einem eiskalten Bier aufzuwärmen.
Leider war dies der letzte und einzige Tag im schönen Lublin.

Am letzten Abend wurden zuerst alle Vorbereitungen zur Abreise getroffen und danach wurde noch einmal richtig gefeiert.

Die Rückreise war aufgrund vieler Wartezeiten, unter anderem in Warschau, deutlich anstrengender als die Anreise. Einige Personen der deutschen Gruppe waren also rund zwanzig Stunden und mehr unterwegs. Wer weiß, vielleicht ist es ja in einigen Jahren möglich direkt nach Lublin zu fliegen.

Die Fahrt war, denke ich, für alle Beteiligten eine Bereicherung, da viele neue Bekanntschaften geschlossen wurden und jeder seinen kosmopolitischen Horizont erweitern konnte.

Ein großer Dank gilt natürlich den Organisatoren und all den Mitfahrern, die die Weihnachtsferien zu etwas wirklich Besonderem gemacht haben!
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